Filialkirche St. Johannes Bosco
Ein Rundgang durch das Kirchengebäude
In den 50er und 60er Jahren war die Zahl der Katholiken in den Dorfgemeinden Hemmingen-Westerfeld, Arnum, Devese und Wilkenburg, welche seit 1964 eine Pfarrei bildeten, immer größer geworden. Das machte den Bau eines neuen Kirchenzentrums notwendig.
Das Kirchengebäude
Nach einer langjährigen Vorbereitung und Planung wurde am 19. September 1971 der Grundstein gelegt, und am 3. März 1973 erfolgte die Kirchweihe durch den damaligen Bischof von Hildesheim, Heinrich Maria Janssen. Er konsekrierte die Kirche zum Gedächtnis des hl. Johannes Bosco. Damit wurde an die Mutterpfarrei St. Augustinus in Hannover-Ricklingen erinnert, in der die Salesianer des hl. Johannes Bosco seit 1950 tätig sind. Johannes Bosco (1815 - 1888) liebte die Jugend vorbehaltlos und setzte seine ganze Lebenskraft besonders für die verwahrlosten jungen Menschen in den Straßen der italienischen Großstadt Turin ein. Nach der Vorstellung des damaligen Pastors Erich Austen sollte es daher auch eine Aufgabe der Gemeinde sein, "gestrauchelten" Menschen zu helfen, in die Gesellschaft zurückzufinden.
Es war von Anfang an das Konzept des Architekten Horst Langer, der selbst der Kirchengemeinde angehört, und der weiteren an der Planung beteiligten Gemeindemitglieder, die Kirche als einen Raum der Ruhe zum Erleben des Göttlichen in einer oft lauten und seelenlosen Zeit zu gestalten. Das Gemeindezentrum sollte ein Ort sein, an dem Begegnungen, Gespräche, Gemeinschaft und das Feiern der Feste in unserer kontaktarmen und unpersönlichen Welt ermöglicht werden. Deshalb sind Kirche, Pfarrheim und Pfarrhaus ein gemeinsamer, aufeinander bezogener Baukörper, der die Menschen zur Begegnung mit Christus und mit den Mitmenschen einlädt.
Von der Straße her bildet eine Treppe den Beginn des Weges zum Haus Gottes. Sie kann als "Erhebung" über die weltlichen Gebäude und das Alltagsgetriebe empfunden werden. Ein Innenhof, der höher liegt als das umliegende Gelände, gibt die Möglichkeit zürn Verweilen und zum Versammeln. Die Eingangstür führt in einen gemeinsamen Vorraum für Kirche und Pfarrheim. Dieser wird für denjenigen, der die Nähe Gottes sucht, zur Stätte der inneren Sammlung. Wer die Kirche betritt, ist vielleicht über den breiten und hochaufsteigenden Raum überrascht. Sein Blick wird sogleich auf den Altarraum gezogen; denn der Kirchenraum mit den in Gruppen angeordneten Bänken und den Gängen ist eindeutig auf den Altar gerichtet. In drei Bankgruppen umstehen die Gläubigen -entsprechend der Intention des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) - den Altar. Auch die von drei Grundseiten steil ansteigende Decke und das ringsum laufende niedrige Lichtband, das hinter dem Altarraum die Umfassungswände senkrecht öffnet, verstärken die Blickrichtung nach vorn und in die Höhe. Einige Stufen, die zum Altarraum fuhren, betonen noch einmal: Hier steht der Altar als Mittelpunkt der Kirche und der in ihr versammelten Gemeinde. Er ist der Ort der Erneuerung des Bundes zwischen Gott und den Menschen in der Eucharistiefeier.
Auffallend sind die Wände aus 80 cm starkem Stahlbeton, welche wie die einer festen Burg wirken. Diese Bauweise war wegen des unsicheren Baugrundes in einem alten Leineflussbett notwendig. Schalwandhöhe auf Schalwandhöhe schichtet sich aufeinander, wie anderswo Stein auf Stein. Die Zwischenfugen sind als horizontale Gestaltungselemente sichtbar, ebenso die Vertiefungen der Schalungsanker. Auf den Wänden haben sich die Fugen und die Holzmaserung der Schalbretter abgezeichnet. Durch das Licht der Fenster erhält die Betonwand Leben. Die Fenster selbst sollen nach der Idee des Künstlers Gerd Stallbaum keine "bildhafte Zutat" darstellen, sondern Bestandteil des gestalteten Raumes sein. An langen Seilen hängen Beleuchtungskörper aus Gussglas, die dem Raum eine festliche und gleichmäßige Helligkeit geben.
Die Ausstattung der Kirche
Tabernakel, Wandkreuz und Lesepult (Ambo) sind aus den Metallen Messing, Kupfer und Zinn gefertigt. Sie stehen mit eigenem Maßstab gegen die Größe des Raumes und die Mächtigkeit der Altarwand, die anfangs noch bildlos war. Zusammen mit dem Altar sind dies für den gläubigen Menschen sakrale Gegenstände, die auf die Gegenwart Gottes verweisen. Der Altar ist ein Natursteinblock aus Nagelfluh. In ihm befinden sich seit der Weihe der Kirche Reliquien der Märtyrer Eutropia, Sergius und Bacchus, die als Vorbilder des Glaubens gelten.
In einer Nische rechts vom Eingang befinden sich ein Taufstein sowie eine Vitrine mit den Taufgeräten. Neben dem Taufstein steht - außerhalb der Osterzeit - die Osterkerze, deren schmückende Symbole an die Auferstehung Jesu erinnern.
Der Wunsch der Gemeinde nach Bildhaftigkeit führte 1986 zu einer künstlerischen Gestaltung der Altarwand. Über die gesamte Wand hinter dem Altar, dem Tabernakel und dem Ambo spannt sich ein goldener Bogen. Dieser Bogen soll Zeichen sein für den ewigen Bund Gottes mit der ganzen Schöpfung (Gen 9,13). Gemeinsames Thema der Bilder dieses Bogens sind die Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Mt 5,3-10).
In acht Einzelbildern hat der Künstler versucht, die Worte Jesu, die vom Evangelisten Matthäus in den Seligpreisungen zusammengestellt worden sind, zu verdeutlichen. Die Motive wollen den Betrachter an die frohe Botschaft Jesu vom Reich Gottes erinnern, ihn zum Nachdenken bringen und ihm Anstöße geben, das Evangelium zur Grundlage des eigenen Lebens zu machen. Am ersten Bild von links soll das beispielhaft verdeutlicht werden: Das Motiv nimmt Bezug auf die erste Seligpreisung. Jesus sagte: "Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich." Der Fuchs und die Vögel auf der Darstellung verweisen auf die Armut Jesu, der von sich selbst gesagt hat: "Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann" (Mt 8,20). Jesus aber ging es nicht nur um den Verzicht auf irdische Besitztümer. Mit "Armut vor Gott" meinte er vielmehr, dass der Mensch sein ewiges Glück und Heil nicht durch eigene Kraft erreichen, sondern als Geschenk von Gott in seinem ewigen Reich erwarten und annehmen soll.
Seit Februar 1998 hängt an der Rückwand und der rechten Seitenwand ein Kreuzweg. Die 14 Stationen verlaufen von rechts nach links wie die hebräische Schrift. Der Künstler will damit einen Hinweis auf die jüdischen Wurzeln unseres Glaubens geben. Er hat das Geschehen um den Tod Jesu in einer Umgebung dargestellt, die der von Jerusalem entspricht.
Die Marienkapelle
In der Kapelle findet der Mensch
Stille zum Verweilen und zum Gebet. Hier werden auch Gottesdienste in kleinerer Gemeinschaft gefeiert. Die Holzverschalung an den Wänden, das farbige Licht der Fenster, der warme Kerzenschein und der Blumenschmuck verleihen dem Raum eine Atmosphäre der Ruhe und der Geborgenheit.
Die Figur der Mutter Gottes mit dem Kinde
zieht immer wieder Gläubige an, die hier ihre Anliegen im Gebet
vortragen. Die brennenden Kerzen sind sichtbarer Ausdruck dafür.
Auch in der Marienkapelle befindet sich ein Kreuzweg, der von HAP Grieshaber
(1909-1981), einem der bedeutendsten Holzschneider des 20.
Jahrhunderts, stammt. Das Kunstwerk wurde 1973 yom Architekten Horst
Langer gestiftet. Grieshaber hat mit diesem Holzschnitt 1967 den
Versuch unternommen, die leidvolle Vergangenheit des polnischen Volkes
aufzuarbeiten und Versöhnung zu erreichen. Er hat den Motiven eine
Kreuzwegbetrachtung von Kardinal Wyszinski, dem damaligen Primas von
Polen, zugrunde gelegt. Für Grieshaber sind die Kreuzwegstationen - so
hat er es einmal gesagt - vor allem "Darstellungen des Leidens des
Menschensohnes und Botschaft seiner Liebe zu den Menschen". Dieses
Bekenntnis wird beispielhaft bei der 9. und 14. Station deutlich: Mit
den Rosenmotiven als Zeichen der göttlichen Liebe versucht Grieshaber
auf das Wesentliche des christlichen Glaubens hinzuweisen: Die Liebe
Gottes ist stärker als der Tod.Don-Bosco-Fenster und -Relief im Vorraum
Wir
hoffen, dass wir Ihnen durch unsere Erläuterungen ein besseres
Verständnis für unser Gotteshaus vermittelt haben, und wünschen Ihnen,
dass Sie von hier Gottes guten Segen und Kraft für Ihren Alltag
mitnehmen.
Text: Margarete Kalkmann